IRD-Jahresbericht 2017 - Seite 40



INLANDSARBEIT
Flüchtlingshilfe in Deutschland
Kleiderkammer und
Charity Shops
Aus der Idee, die muslimische Community in Deutschland stärker in die Flüchtlingsarbeit
einzubinden, entstand 2016 der „Arbeitskreis Muslimische Flüchtlingsarbeit“ in Köln.
Hierfür kamen muslimische Vertreter der Flüchtlingsarbeit in Köln, des Sozialen Dienstes
für Flüchtlinge vom Wohnungsamt und der Soziale Dienst zusammen und erkannten die
Notwendigkeit eines regelmäßigen Austauschs über die Herausforderung ihrer Arbeit.
Zudem wurde herausgestellt, dass der Bedarf besteht, sich mit allen Trägern der Flüchtlingsarbeit zu vernetzen.
Ziel des Arbeitskreises ist es, einerseits ein Bewusstsein bei Muslimen dafür zu schaffen, dass sie sich für Flüchtlinge engagieren können, und andererseits die Herausforderungen für das erfolgreiche Gelingen der Integration und des Miteinanders gemeinsam
anzugehen. Außerdem soll das Engagement von Muslimen sichtbarer werden und
transparent bleiben, um Ressentiments zu vermeiden. Nicht zuletzt soll der Arbeitskreis
eine Brücke für Verständigung und Verständnis sein, um einen Mehrwert zu erbringen. Er
ist ein Ansprechpartner für die Stadt Köln und zahlreiche Träger.
Mittlerweile haben sich dem Arbeitskreis 18 Vereine angeschlossen, darunter
beispielsweise das Begegnungs- und Fortbildungszentrum muslimischer Frauen e. V.
(BFmF), Wir sind da – Flüchtlinge helfen Bedürftigen e. V. und auch die Islamic Relief
Kleiderkammer. Dieses Bündnis ist bisher einzigartig in Deutschland.
Dem Arbeitskreis geht es darum, die aktuelle Lage zu beschreiben und daraus Ziele
zu formulieren, wo Verbesserungsbedarf besteht. So bietet er unter anderem folgende
Leistungen für Flüchtlinge an: Begleitung zu Ämtern und Behörden, Ärzten und Gesundheitsdiensten, Schulen und Kitas, Sachspenden, Seelsorge/psychische Unterstützung,
Hilfe bei der Arbeitssuche, ehrenamtliche Deutschkurse, Übersetzungshilfe und mehr.
Islamic Relief möchte zudem gezielt das Ehrenamt in der Flüchtlingsarbeit in Köln stärken.
Die Islamic Relief Kleiderkammer hilft durch die Verteilung und den Verkauf von Kleidung
und Sachgütern Bedürftigen im In- und Ausland.
In 2017 wurden neben den Kleiderkammern in Berlin und Köln und dem Charity Shop
in Köln-Nippes noch weitere Annahmestellen in Form von Kleidercontainern geschaffen.
Neben den bereits existierenden Containern in Köln, Leverkusen, Meinerzhagen, Bergisch
Gladbach und Bergheim wurden weitere in Berlin, Aachen und Limburg aufgestellt.
Im letzten Jahr hat die die Kleiderkammer drei „Door 2 Door Day“-Aktionen in den
Städten Köln, Bonn und Düsseldorf durchgeführt. Dabei ist das Team der Kleiderkammer
in den jeweiligen Städten von Tür zu Tür gefahren und hat Kleiderspenden von privaten
Haushalten abgeholt.

Der Charity Shop der Kleiderkammer in Köln wurde 2017 von rund 11.000 Menschen
besucht. Durch die Verkäufe der Second Hand-Ware wird nicht nur ein Beitrag zum Umweltschutz geleistet, es profitieren ebenso sozial schwache Menschen von den günstigen
Preisen der gut erhaltenen Markenwaren. Im vergangenen Jahr hat der Charity Shop einen Aktionstag durchgeführt, bei dem alle Einnahmen zugunsten der Myanmar-Nothilfe
von Islamic Relief gespendet wurden. Seit Anfang 2017 ist im Shop auch „Coffee to Help“
erhältlich: Wie der Name bereits verrät, kann man eine Tasse Kaffee kaufen und gleichzeitig den bezahlten Betrag spenden.
Auch in 2017 war die Kleiderkammer weiterhin in der Flüchtlingshilfe und für Bedürftige
im In- und Ausland aktiv. So leisteten ihre Mitarbeiter Hilfe bei Umzügen und Möbeltransporten für Flüchtlinge, stellten ihnen Rollstühle, Rollatoren und andere medizinische
Hilfsmittel kostenlos zur Verfügung und es gab Rabatte auf die Waren im Charity Shop.
Die Islamic Relief Kleiderkammer ist jedoch nicht nur für Flüchtlinge da. Auch Obdachlosen und anderen sozial schwachen Menschen wird gern und regelmäßig geholfen.
So hat die Kleiderkammer an einer Verteilung von Kleiderspenden an Obdachlose in der
Kölner Innenstadt teilgenommen und unterstützt regelmäßig die Obdachloseninitiative
„Helfende Hände mit Herz“ mit Kleiderspenden, Decken sowie anderen Hilfsgütern.
Neben der Flüchtlingshilfe im Inland unterstützt die Kleiderkammer aber auch in Not
geratene Flüchtlinge im Ausland. Es werden regelmäßig Transporte, die Kleidung und
Sachgüter zu Flüchtlingscamps und Notaufnahmestellen im Ausland bringen, von der
Kleiderkammer mit Hilfsgütern versorgt. Die Kleiderkammer erhält weiterhin freundliche
Unterstützung von Unternehmen wie Outlet46.de, Outfittery oder Muga.
Seit Ende 2017 unterstützt Islamic Relief Deutschland mit einem Projekt Flüchtlinge in
Königswinter beim Erlernen der deutschen Sprache und damit deren gesellschaftliche
Integration. Hierfür wurde ein Deutschkurs in Kooperation mit dem Verein „Netzwerk
Integration Königswinter e. V.“ (NIK) geschaffen, der speziell an Flüchtlinge gerichtet
ist, die aufgrund ihrer ungeklärten Bleibeperspektive keine Möglichkeit haben, andere
Integrationskurse zu besuchen.
In Königswinter bei Bonn leben rund 470 Flüchtlinge. An der internationalen Begegnungsstätte des NIK, dem sog. NIK-Haus, kommen Gruppen mit jeweils 20 Teilnehmern
aus 15 verschiedenen Herkunftsländern zwei Mal in der Woche zusammen und lernen
die Grundlagen der deutschen Sprache auf A1-Niveau.
Lutz Wagner, der Leiter des Projektes, setzt sich dafür ein, da es nachhaltig die
Integration fördert und das Leben der Flüchtlinge in Deutschland erleichtert. Die Angebote sollen kurzfristig eine Orientierungshilfe sein, mittel- und langfristig sollen sie
denjenigen, die für einige Jahre oder für immer hier bleiben dürfen und wollen, helfen,
eine neue Heimat zu finden, das heißt ein Teil unserer Gesellschaft zu werden ohne ihre
Identität aufzugeben. •
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INLANDSARBEIT
ISLAMIC RELIEF DEUTSCHLAND
» Hintergrundinformationen zur Kleiderkammer
Seit 2014 besteht die Islamic Relief Kleiderkammer gGmbH (gemeinnützige GmbH) mit
ihrer Zentrale in Köln-Marsdorf und einer Filiale in Berlin. Im November 2015 kam neben
dem Charity Shop in Berlin ein weiterer in Köln-Nippes hinzu. In den Kleiderkammern,
den Charity Shops sowie Sammelcontainern wird unter dem Motto „Alte Kleider – Neues
Leben“ gebrauchte und neue Kleidung gesammelt und an Bedürftige weitergegeben
oder verkauft. Mit den Erlösen werden Projekte der humanitären Hilfe von Islamic Relief
sowie Waisenkinder unterstützt.
JAHRESBERICHT 2017
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