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ALUMNIVERSUM
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AlumniGeschichten
aus aller Welt
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TEXT: JÖRG WINTER
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politischen und sozialen Analyse in mir
entfacht. Fulbright hat mir mit einem postgradualen Studium in New York das journalistische Werkzeug in die Hand gedrückt.
Der ORF schließlich gab mir die Möglichkeit, all das zum Beruf zu machen.
FOTOS: JÖRG WINTER: ORF • STANBUL: MEHMET BILGEN
utoritäre Systeme haben abgewirtschaftet, der liberalen Demokratie gehört die Zukunft. Mit
dieser politischen Überzeugung habe ich,
kurz nach dem Zusammenbruch der
Sowjetunion und der Wende in Osteuropa, im Herbst 1990 mein Studium
begonnen. 27 Jahre später, nach fast zwei
Jahrzehnten als Auslandsreporter und
Korrespondent beim ORF, ist diese Überzeugung ordentlich ins Wanken geraten.
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Die Alumni Map
der Universität
Wien versammelt
AbsolventInnen
aus aller Welt
im virtuellen Alumniversum – an die
7.800 sind schon dabei! In der Serie
„In 80 Porträts um die Welt“ stellen wir
Alumni vor, die ihr Leben fernab von
Österreich verbringen.
AUSLANDSKORRESPONDENZ. Seit Jänner 2015 leitet
Alumnus Jörg Winter das ORF-Büro in Istanbul. Wie er das
derzeitige politische Klima im Land erlebt und warum es
sich lohnt, „Fake-News“ zu kontern, berichtet der Journalist
sehr persönlich und voll Leidenschaft für seinen Beruf.
hatten, war eine unverhohlene Drohung. nur Fortschritt bedeuten kann. Sondern
Wir wollten zuvor zum Jahrestag des auch das Gegenteil.
Tiananmen-Massakers in der Nähe des
Als Fulbright-Stipendiat an der New
Platzes im Zentrum Pekings Interviews York University hatte ich große Ehrfurcht
machen. Und haben damit eine rote vor den amerikanischen GründungsväLinie überschritten. Überrascht hatte tern. Vor einem System, das – anders als
mich das damals nicht. Medien in China viele in Europa – immun gegen politische
waren schließlich nie frei.
Extreme zu sein schien. Aus heutiger
Sicht war ich damals naiv. Die Wahl von
WARNENDES BEISPIEL. Wirklich über- Donald Trump zum US-Präsidenten auf
rascht war ich aber vier Jahre später. einer Plattform von Halb- und UnwahrNach meiner Übersiedelung in die Tür- heiten deutet auf eine Zeitenwende hin.
„Wenn ihr euch weiterhin so verhaltet, kei. Hier werden regierungskritische Die Zahl an Twitter-Followers scheint zu
dann wird die Verlängerung eures JournalistInnen mittlerweile als Staats- definieren, wer die Wahrheit sagt. Seriöse
Visums ein Problem.“ Was mir die finster feinde, Spione und Terrorunterstützer Medien werden als „Fake-News“ verungdreinblickenden Herren im Keller des gebrandmarkt. Zuerst nur die einheimi- limpft, der Aufschrei unserer angeblich
Pekinger Polizeihauptquartiers zu sagen schen, mittlerweile nimmt aber auch der so aufgeklärten westlichen Gesellschaft
Druck auf uns ausländische Korrespon- bleibt bisher bescheiden.
dentInnen zu. Was war passiert mit
einem Land, das bereits eine durchaus Das frustriert. Und doch ist der Beruf des
freie und bunte Presse hatte, das tiefgrei- Korrespondenten für mich der spanHauptsponsoren der Alumni Map:
fende politische Reformen und einen nendste, den es gibt. Den Drang zu Reisen,
beeindruckenden wirtschaftlichen Boom aus dem österreichischen und europäierlebt hatte? Die Türkei ist längst ein schen Alltag auszubrechen, den hatte ich
warnendes Beispiel dafür geworden, dass schon als Student. Meine Lehrenden am
Wir danken weiters KPMG und der
demokratische Errungenschaften auch Geographie-Institut der Universität Wien
Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien
für die Unterstützung.
wieder rückgängig gemacht werden kön- haben diese Sehnsucht nach der Fremde,
nen, dass politische Entwicklung nicht aber auch die Freude an der tiefgehenden
In 80 Port
rät
ie Welt
„Der Druck
nimmt zu“
FACEBOOK VERSUS JOURNALISMUS. Ich
bin noch immer Auslandsjournalist mit
großer Leidenschaft. Ich möchte nichts
anderes machen. Aber ich mache mir Sorgen. Was passiert mit einer Gesellschaft,
wenn Filter in sozialen Medien Menschen
immer wieder mit den gleichen Unsinnigkeiten, Vorurteilen und Lügen beschallen?
Wenn Meinungen auf Facebook über die
seriöse Recherche triumphieren? Es wird
Zeit, dass echter Journalismus die sozialen
Medien flutet. Dazu braucht es junge
Leute, die diesen Beruf ausüben wollen,
die politischer Dumpfheit und nationalem
Kleingeist trotzen wollen. Wer dazu noch
eine Portion Neugier und Sehnsucht nach
der Ferne mitbringt, wird mit Erfahrungen und einer neuen Sicht auf diese exotisch weite und faszinierende Welt belohnt.
Welcher andere Beruf kann dies alles auf
einmal bieten? •
a n b ul
Ist
Mag.
TÜRKEI
JÖRG WINTER
MA
Wohnort: Istanbul, Türkei
Studienrichtung: Geographie und
Wirtschaftskunde (Lehramt),
Anglistik und Amerikanistik
Abschlussjahr: 1997
Beruf: Journalist
Bedeutung meines Studiums:
Freude und Neugier an Politik und
Weltgeschehen. Kritische
Reflexionsfähigkeit.
Lieblingsplatzl zur Studienzeit:
Café Alt Wien
Alumnus Jörg Winter, von 2006 bis 2009 im
Korrespondentenstudio Washington tätig,
war von 2011 bis 2014 OstasienKorrespondent des ORF und ist derzeit
Leiter des ORF-Büros in Istanbul. Der
Journalist studierte an den Universitäten
Wien, Salzburg und Oxford Brookes, es
folgte ein Masterprogramm für Broadcast
Journalism an der New York University.
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