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Am Podium (v.l.n.r.): Vizerektor Heinz Faßmann,
Michaela Windisch-Graetz, Moderatorin
Maria Zimmermann, Carina Pachler und
Robin Lumsden, dessen Kanzlei Lumsden and
Partners den Abend gesponsert hat.
ALUMNIVERSUM
Alumni Lounge:
Grenzen zu –
und jetzt?
EXPERT/INNEN-TALK. Im Rahmen der Alumni
Lounge #4 in Kooperation mit der Juridischen
Fakultät stellten sich WissenschafterInnen und
AbsolventInnen der Frage „Grenzen zu – und jetzt?“.
TEXT: SIEGRUN HERZOG
1,8 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund leben in Österreich sowie 1,3
Millionen Menschen mit ausländischer
Staatsbürgerschaft – „keine kleine Zahl“,
sagt Vizerektor Heinz Faßmann, der auch
Vorsitzender des „Expertenrats für Integration“ (BMEIA) sowie Mitglied der „Migrationskommission für Österreich“ (BMI) ist.
Angesichts dieser Herausforderung klappe
das Zusammenleben gar nicht so schlecht,
dennoch müsse man Geduld haben, denn
„Integration gelingt nicht von heute auf
morgen“. Wesentlich für Integration sei die
rasche Eingliederung der Zugewanderten
in den Arbeitsmarkt, waren sich die ExpertInnen einig. Davon, sogenannte Ein-EuroJobs für Asylberechtigte zu schaen, hält
die Arbeits- und Sozialrechtlerin Michaela
Windisch-Graetz von der Universität Wien
allerdings nichts: „Anerkannte Flüchtlinge
haben ein Recht auf Gleichstellung am
Arbeitsmarkt.“ Für AsylwerberInnen würden Minijobs angesichts der langen Verfahrensdauer aber sehr wohl Chancen bieten.
Mit Erfindergeist und Ingenieurskunst schaffen
wir eine lebenswerte Umwelt.
Wir nennen das Ingenuity for life.
Gemeinsam mit unseren Partnern finden wir Lösungen für lebens- und liebenswerte Städte. Zum Beispiel mit emissionsarmen Gebäuden für eine klimagerechte Stadtentwicklung. Wir sorgen für Mobilität, sichern eine stabile, effiziente
Energieversorgung und bringen Individualität in die Massenproduktion. Mit unserer Leidenschaft für Technik schaffen
wir bleibende Werte – für unsere Kunden, die Gesellschaft und jeden Einzelnen. Verwirklichen, worauf es ankommt.
Das ist Ingenuity for life.
siemens.at/ingenuityforlife
FOTOS: ARMIN PROSCHEK
MOTIVATION FÜR INTEGRATION. Eine
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hohe Motivation von geflüchteten Menschen, Deutsch zu lernen, beobachtet
Carina Pachler, Alumna der Kultur- und
Sozialanthropologie sowie stellvertretende
Leiterin des Fachbereichs Integration beim
Diakonie Flüchtlingsdienst. Ein Großteil
der Menschen habe allerdings Traumatisierungen erlebt, was sich auch beim Sprachelernen zeige. „Man muss die Gesamtsituation dieser Menschen betrachten, nicht alle
haben die Möglichkeit,
in der geforderten Zeit
die neue Sprache zu
lernen, sind etwa nicht
alphabetisiert und
haben noch nie eine Schule besucht“, so
Pachler. Von seinem persönlichen Werdegang erzählt Jus-Alumnus und Wirtschaftsanwalt Robin Lumsden, der als Integrationsbotschafter junge Zuwanderer in
Schulen besucht. Er stehe prinzipiell hinter
dem Konzept „Integration durch Leistung“,
allerdings mit einem „Aber“ versehen:
„Wenn wir Leistung fordern, müssen wir
den Menschen auch ermöglichen, diese zu
erbringen.“ Lumsden, der als Sohn einer
österreichischen Mutter und eines jamaikanischen Vaters in Österreich aufgewachsen
ist, bezeichnet sich selbst augenzwinkernd
als „Mogelpackung“ in Sachen gelungene
Integration, er habe schließlich keine
Sprachprobleme gehabt und sei von seinem
Elternhaus immer unterstützt worden.
Moderatorin Maria Zimmermann von den
„Salzburger Nachrichten“ thematisierte
auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit von
Grenzzäunen. Dazu Windisch-Grätz: „Ich
glaube, eine Abschottung ist auch innerhalb
Europas gar nicht mehr möglich, die
Arbeitnehmerfreizügigkeit ist eine der ‚heiligen Kühe‘ in der EU.“ Pachler, die das
Schicksal der Menschen vor den Grenzzäunen kennt, plädierte für mehr legale Einreisemöglichkeiten, man sehe den Unterschied, was es heiße, wenn jemand ohne
Angst kommen könne. Die Flüchtlingszuwanderung der vergangenen Jahre sei nur
deswegen abgemildert worden, weil es Grenzen gibt, ist Heinz Faßmann überzeugt, gibt
aber zu bedenken: „Grenzen schaen einen
sichtfreien Raum, ohne aber das grundsätzliche Problem zu lösen.“
Faßmann betonte abschließend, dass wir in
der Integrationsdebatte aufhören sollten,
Menschen mit dem Mascherl ‚Ausländer‘
oder ‚Migrationshintergrund‘ zu versehen,
denn dann werde es immer schwierig sein,
dass diese sich als ÖsterreicherInnen fühlen. •
ALUMNI LOUNGE #5:
DIVERSITÄT ALS CHANCE
Unternehmen und Organisationen
werden durch Offenheit gegenüber
kulturellen Unterschieden bereichert.
Aber wie kann Diversität konkret
gelingen? Ein ExpertInnen-Talk über
Vielfalt in Wirtschaft und Bildung.
Mittwoch 28.6., 18.30 Uhr,
Universität Wien, BIG Hörsaal,
Universitätsring 1, 1010 Wien
u. A. w. g.: office.alumni@univie.ac.at
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