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UNIVERSUM
Univ.-Prof. Bernadett Weinzierl
ist seit März 2016 an der Fakultät
für Physik der Universität Wien.
Ihre Schwerpunkte sind
u.a. Aerosolphysik, AerosolKlima-Wechselwirkungen sowie
In-situ-Messungen in der Luft.
„Die Luftverschmutzung
ist globalisiert“
SEMESTERFRAGE. Emissionen bleiben nicht dort, wo sie ausgestoßen
werden. Verschmutzte Luft aus Asien gelangt über Winde in nur drei
Wochen nach Österreich. Wie Ruß und Mineralstaub unser Klima
beeinflussen, erklärt Aerosolphysikerin Bernadett Weinzierl im Rahmen
der aktuellen Semesterfrage.
GASTBEITRAG: HANNA MÖLLER (UNI:VIEW)
Was sind Aerosolpartikel, was sind keine?
Aerosolpartikel sind kleine Teilchen in
einem Größenbereich von wenigen
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Nanometern bis zu mehreren hundert
Mikrometern, beispielsweise Staub- oder
Rußteilchen in der Luft. Es gibt zwei Arten,
wie Aerosole entstehen: Einerseits werden
sie direkt als Teilchen in die Atmosphäre
emittiert, andererseits können sie sich
unter bestimmten Bedingungen aus Gasen
herausbilden. Etwa 20 bis 40 Prozent der
Aerosolpartikel in der Atmosphäre sind
menschengemacht, der Rest wie Vulkanasche, Seesalz und der Großteil des Mineralstaubs ist natürlichen Ursprungs.
Wie beeinflussen Aerosole unser Klima?
Auf vielfältige Art und Weise: Aerosolpartikel streuen und absorbieren das Licht
von der Sonne, dadurch kommt weniger
Licht am Boden an und eine Abkühlung
entsteht. Die Absorption des Sonnenlichts
kann aber auch zu einer Erwärmung von
Aerosolschichten führen, wodurch sich das
Temperaturprofil der Atmosphäre und das
Wetter verändern. Des Weiteren beeinflussen Aerosolpartikel die Bildung von Tropfen
oder Eiskristallen in Wolken – dadurch
ändern sich Eigenschaften und Lebenszeiten von Wolken und somit auch unser
Wetter und Klima.
In welchen Gebieten können Sie besonders
viel Ruß beobachten?
In industrialisierten Gegenden wie Europa,
Amerika, aber auch Indien und China
finden wir viel Ruß in der Atmosphäre.
FOTOS: UNIVERSITÄT WIEN
Sie sind gerade von einer Forschungsreise
zurückgekehrt: 70.000 Flugkilometer in
26 Tagen. Was untersuchen Sie in der Luft?
Bernadett Weinzierl: Wir starten mit dem
Forschungsflugzeug in luftige Höhen –
bepackt mit Instrumenten und Messgeräten –, um die Aerosole in der Atmosphäre
zu erforschen. Dort bestimmen wir die
Größen und Eigenschaften von Aerosolpartikeln, Wassertropfen und Eiskristallen,
untersuchen ihre globale Verteilung und
ihren Einfluss auf die Strahlungsbilanz
der Erde.

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